Prüfungspraxis - Die Kompetenz des Fachprüfers

Mündlich-praktische Prüfungen sind geprägt durch die teilnehmenden Personen, die sich in bestimmten Rollen "verhalten". Vom Prüfer wird Professionalität im Rahmen seiner Arbeit als Fachprüfer erwartet, d. h. sehr gutes Fachwissen wird vorausgesetzt, die Qualitätskriterien für eine staatliche Prüfung, die weitgehende Berechtigungen vergibt, sollten bekannt sein und soweit wie möglich umgesetzt werden:

  • Objektivität - Personenunabhängigkeit (ohne Ansehen der Person)
  • Validität      - Gültigkeit (nur die Ausbildungsinhalte werden geprüft)
  • Reliabilität   - Genauigkeit (in mündliche Prüfungen kaum umsetzbar)

Darüber hinaus ist prüfungspsychologisches Wissen des Prüfers von wesentlichem Vorteil: So beispielsweise Kenntnis von möglichen Einflüssen, den er selbst als Prüfer unterliegt, bzw. Wissen um den Umgang mit der situationsbedingten Verfassung der Prüfungsteilnehmer, die mehr oder weniger stressempfindlich in der Prüfungssituation reagieren.

Dazu sollte eine qualifizierte Fragetechnik kommen, die auf der Grundlage eines vorliegenden Fragekataloges mit vorab taxierten Fragen die Grundlage für eine angemessene Bewertung bildet.

So vorbereitet kann der Prüfer, mit Blick auf die zu prüfende Person und deren Verfassung in der Prüfungssituation, den Frageeinsatz steuern.

Dem Prüfer kommt dabei die Aufgabe zu, aufgrund der persönlichen Einschätzung der Person bzw. deren Potential (Sprachkompetenz, kognitiven Fähigkeiten, momen-tane psychische Verfasstheit) zwischen den beiden Polen "enge kleinschrittige" und "offene komplexe" Aufgabenstellung  zu wählen. Dieser Entscheidungsprozess wird in nachfolgender Abbildung dargestellt: