Prüfungspraxis - Der Prüfungseinstieg

Die mündlich-praktische Prüfung hat eine andere Ausrichtung wie der schriftliche Teil der Jägerprüfung, der auf die Abfrage von Wissen in Form von Multiple-Choice-Fragen zielt. Bei diesem Part der Jägerprüfung soll, wie bereits erwähnt, die Handlungsfähigkeit im Revier, sprich die Fähigkeit Erlerntes anzuwenden und jagdpraktische Situationen einzuschätzen bzw. vorliegende Fakten zu beurteilen und Handlungsfolgen daraus abzuleiten, bewertet werden. Der Prüfer soll beurteilen, ob aus dem wissenden Jägerprüfling ein kompetenter, handlungsfähiger Jäger im Revier werden kann. Ein schwieriges Unterfangen, welches prinzipiell eine andere Art von Prüfung erfordert. Soviel Praxisbezug wie möglich, also praktisches Tun, Umsetzen etc. ist deshalb von Nöten. Grundlage der jagdlichen Kompetenz ist aber das Wissen und Verstehen der Fakten und deren Zusammenhänge.

Prüfer und Prüfling müssen miteinander ins Gespräch kommen. Nach einer ersten Kontaktaufnahme, die den Rahmen (Fach, Prüfer usw.) klärt und neben einer nicht konfrontierenden Sitzordnung zur Entspannung der Prüfungssituation beitragen kann, ist eine jagdliche Ausgangsituation als Einstieg in das Prüfungsgespräch zu empfehlen. Nach dieser kurzen "Aufwärmphase" mit dem Ziel eine angenehme Prüfungsatmosphäre zu schaffen, steht der Prüfer vor der grundsätzlichen Entscheidung, die Auftaktphase des Prüfungsgesprächs zu gestalten. Anzustreben ist möglichst die visuelle oder gegenständliche Darstellung einer konkreten jagdlichen Situation, in der jagdpraktische Kompetenz, eindeutig definiert über Lernziele der Ausbildung, beurteilt werden kann.

Die jagdliche Situation bildet also den Ausgangspunkt für das Gespräch. In der Folge wird das Gespräch mit praxisorientierten, klar formulierten und damit verständlichen Fragen, für die eine definierte Erwartungshaltung in Bezug auf die möglichen Lösungen vorliegt, seitens des Prüfers gesteuert. Dabei sollten verschiedene Inhaltsbereiche des jeweiligen Prüfungsfaches angesprochen werden.

An die jagdliche Ausgangsituation zur Gesprächeröffnung - Beispiele sind für jedes Prüfungsfach auf dieser Homepage hinterlegt - sind folgende die Anforderungen zu stellen.

Die jagdliche Ausgangssituation sollte

  • für die Jagdpraxis relevant sein,
  • für jagdlich Unerfahrene verständlich
    sein (Ausbildungserfahrungen können
    vorausgesetzt werden),
  • nicht zu komplex sein,
  • einen nachvollziehbaren Rahmen für die
    sich anschließenden Fragen bilden.